Soziale Mindeststandards für das gesamte Sortiment

Auch bei konventionell hergestellten Waren setzen wir uns dafür ein, dass soziale Mindeststandards eingehalten werden. Es geht beispielsweise um die korrekte Entlöhnung, die Einhaltung der Arbeitszeiten und den funktionierenden Sozialdialog.

In den letzten zehn Jahren haben wir uns mit verschiedenen Partnern verstärkt für soziale Mindeststandards im Früchte- und Gemüseanbau sowie bei grossen Produktionsbetrieben in Entwicklungs- und Schwellenländern engagiert. 

GRASP garantiert gute Sozialpraxis

2005 initiierten wir zusammen mit GlobalG.A.P., der weltweit grössten Standardorganisation im Agrarbereich, und der deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) das Projekt GRASP (GlobalG.A.P. Risk Assessment on Social Practice). Unser gemeinsames Ziel: soziale Kriterien in der Landwirtschaft in sogenannten Risikoländern zu verankern. GRASP gibt 13 klare Kontrollpunkte vor. Drei Beispiele dafür:

    • Zahlung von gesetzlich definierten Mindestlöhnen
    • Einhaltung der wöchentlichen Arbeitszeit von maximal 60 Stunden – auch während der Ernte
    • Anleitung für Verbesserungsmassnahmen in der Produktion

Durchschlagskraft von GRASP dank Praxistauglichkeit

Diese Kontrollpunkte wurden durch Stakeholder-Workshops in einer ersten Phase bis 2007 definiert. Ihre Anwendung wurde in über 30 Testaudits in den fünf Ländern Spanien, Marokko, Vietnam, Kenia und Brasilien geprüft. Unsere Früchte- und Gemüselieferanten haben sich verpflichtet, GRASP zu implementieren und sich durch unabhängige, externe Fachstellen kontrollieren zu lassen. Davon profitieren heute rund 6’500 Arbeiterinnen und Arbeiter in unserer Lieferkette. Über 70 Prozent beträgt bei uns der Anteil Früchte und Gemüse mit Sozialstandards im Anbau aus Risikoländern, gemessen am Gesamtumsatz.

GRASP: Unser Beispiel macht Schule

Dank der anwenderfreundlichen und kostengünstigen Ausrichtung hat GRASP eine hohe Wirksamkeit. Mittlerweile fordern auch viele weitere Detailhändler von ihren Produzenten die Umsetzung dieser Richtlinien. Dadurch ist 2015 der Anteil der nach GRASP-Standard arbeitenden Produzenten auf 13’000 gestiegen. Sie beschäftigen 175’000 Arbeiterinnen und Arbeiter, die so von verbesserten Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft profitieren.

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BSCI: Engagement für Sozialstandards in der Verarbeitung

Heute setzen über 1’000 Handelsunternehmen auf BSCI, die Business Social Compliance Initiative. Wir traten 2005 der Initiative bei und übernahmen den BSCI-Verhaltenskodex, der insbesondere auf den Konventionen der International Labor Organization (ILO) basiert. Zum BSCI-Prozess gehören die Sensibilisierung, Gespräche am runden Tisch mit Behörden und Gewerkschaften sowie regelmässige Audits durch akkreditierte Kontrollorgane.

BSCI nutzt Synergien durch gemeinsame Audits

Dank BSCI führen die Handelsunternehmen Audits nach den gleichen Kriterien durch und anerkennen die Resultate untereinander. Das ist viel effizienter, als wenn jedes Unternehmen jeden einzelnen Lieferanten selbst prüfen müsste. Zudem haben die Unternehmen in der Initiative so eine grössere Verhandlungsmacht und können gemeinsam höhere Standards fordern. Bei Betrieben, die für den Export arbeiten, gibt es heute zum Beispiel kaum noch Kinderarbeit. China hat das Arbeitsgesetz so angepasst, dass es den westlichen Gesetzen entspricht. Und auch in Thailand hat man realisiert, dass man die Arbeitszeiten reduzieren und die Löhne erhöhen muss. 

Unser BSCI-Prozess

Der Anteil unserer direkten Non-Food-Lieferanten aus Risikoländern, die den BSCI-Prozess durchlaufen, beträgt gemessen am Umsatz 97 Prozent. Der Anteil mit BSCI-Status «good», BSCI-Audit «improvement needed», Zertifikat SA8000 oder ICTI-Zertifikat lag Ende 2014 bei 90 Prozent.

Bei der Überprüfung gehen wir schrittweise und risikobasiert vor:

  1. Unterzeichnung des Verhaltenskodex
    Als Erstes muss Transparenz im Hinblick auf die Produktionsorte der Lieferanten geschaffen werden. Mit der Unterzeichnung des BSCI-Verhaltenskodex verpflichten sich die Lieferanten, neben der Einhaltung der jeweiligen Landesgesetze die Anforderungen in den Bereichen Umwelt, Diskriminierung, Zwangsarbeit, Kinderarbeit, Arbeitszeit, Löhne, Arbeitsbedingungen, Wohnunterkunft sowie Versammlungsfreiheit zu gewährleisten.

  2. Selbsteinschätzung des Betriebs
    Der nächste Schritt ist die Selbsteinschätzung des Betriebs bezüglich der zurzeit herrschenden Arbeitsbedingungen sowie des notwendigen Anpassungsbedarfs. Bei dieser wird geklärt, ob ein Betrieb direkt auditiert werden kann oder ob vorher ein Training im Bereich Sozialmanagement nötig ist. In Fernost begleitet das Einkaufsbüro der Eurogroup in Hongkong die Produzenten durch den BSCI-Prozess. Die Audits der Produktionsstätten werden durch speziell ausgebildete und unabhängige Auditoren durchgeführt, die durch SAI (Social Accountability International) akkreditiert sind und auch die nötigen Korrekturmassnahmen festlegen.

  3. Korrekturmassnahmen
    Die Korrekturmassnahmen sollten nach sechs bis zwölf Monaten umgesetzt sein und werden bei einem erneuten Audit überprüft. Wir sind als BSCI-Teilnehmerin aufgefordert, die Lieferanten bei der Umsetzung dieser Massnahmen unterstützend zu begleiten.

  4. SA8000
    Betriebe, die den BSCI-Prozess abgeschlossen haben, können auf die SA8000-Zertifizierung hinarbeiten. SA8000 ist zurzeit der anspruchsvollste Standard für soziale Arbeitsbedingungen.

  5. BSCI-Teilnahme durch FTA-Mitgliedschaft
    Für uns sind die Lieferanten zunehmend von Bedeutung, die selbst Mitglied bei der Foreign Trade Association (FTA) werden und damit automatisch an BSCI teilnehmen. Wir schätzen es, wenn Lieferanten selbst bei BSCI aktiv werden und von sich aus die Produktionsbetriebe in den Risikoländern auditieren lassen.

Verhaltenskodex BSCI PP

Um die Arbeitsbedingungen in der grossbetrieblichen primären Produktion in Entwicklungs- und Schwellenländern zu verbessern, setzen wir verstärkt auf BSCI Primary Production (BSCI PP). 2012 haben wir mit drei Betrieben in Peru und Marokko intensiv an der Umsetzung von BSCI PP gearbeitet. Mittlerweile halten sich rund 16 Produktionsbetriebe für Lebensmittel an BSCI PP.

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