Artgerechte Nutztierhaltung im gesamten Sortiment

Unsere Beschaffungsrichtlinie definiert die Mindestanforderungen an das Tierwohl, die auch für ausländische Produzenten gelten – von der Haltung und Fütterung der Tiere über den Transport bis zur Schlachtung.

Das Tierschutzgesetz und die Tierschutzverordnung regeln hierzulande die Haltung von Nutztieren. Es gelten unter anderem diese Vorschriften:

    • Haltung und Fütterung: Ausreichend grosse Ställe und über das Jahr verteilt genügend Bewegung. Beispielsweise dürfen Rinder maximal zwei Wochen am Stück ohne Auslauf bleiben.
      Möglichst stressfreier Zugang zu den Futterstellen und der Tierart angemessenes Futter. Kälber müssen Raufutter und ausreichend Flüssigkeit erhalten.
      Das Fixieren von Sauen (Abferkelkäfige) und harte Vollspaltenböden im Liegebereich der Rinder sind verboten, ebenso Antibiotika zur Leistungsförderung.
    • Transport und Schlachtung: Maximale Fahrzeit von sechs Stunden bei lebenden Tieren (max. Transportzeit von acht Stunden). Schlachtung bei Wirbeltieren nur mit Betäubung.
    • Eingriffe am Tier: Die Kastration ohne Schmerzausschaltung ist seit 2008 verboten. Das Coupieren von Schnäbeln und Flügeln beim Geflügel sowie das Coupieren der Schwänze bei Rindern und Schweinen sind untersagt. Ebenfalls ist das Abklemmen von Zähnen bei Ferkeln verboten. Enthornung ohne Schmerzauschaltung ist verboten.

Richtlinie nachhaltige Beschaffung

Unsere Richtlinie für nachhaltige Beschaffung gibt die Mindestanforderungen an das Tierwohl für das gesamte Marken- und Eigenmarkensortiment vor. Beispielsweise bevorzugen wir ausländische Lieferanten, deren Nutztierhaltung am ehesten den Schweizer Standards entspricht. Wir verkaufen keine Produkte aus tierquälerischer Haltung wie Enten- und Gänsestopfleber oder Froschschenkel. Käfigeier kommen bei uns nicht in die Regale, und wir garantieren für unsere Eigenmarken, dass die Eier in verarbeiteten Produkten nicht aus Käfighaltung stammen. Mit Ausnahme von Lamm- und Kuhfellprodukten verkaufen wir keine Artikel aus Echtpelz. Wir verbieten das Mulesing-Verfahren (Entfernen der Haut rund um den Schwanz von Schafen) genauso wie den Lebendrupf bei Daunenprodukten. Zudem untersagen wir die Verwendung von Reptilienleder sowie von Materialien bedrohter Tierarten für unsere Produkte.

Tierwohlstandards im Ausland

Uns ist es wichtig, dass auch ausländische Produzenten ihre Tiere unter vergleichbaren Bedingungen wie in der Schweiz halten. 2013 haben wir deshalb die erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Schweizer Tierschutz (STS) ausgebaut. Heute begutachtet der STS für uns auch Betriebe im Ausland. Beim Geflügel gehen wir noch einen Schritt weiter: Gemeinsam mit ausländischen Geflügellieferanten bauen wir eine Tierhaltung nach dem Vorbild des Schweizer Bundesprogramms BTS (Besonders Tierfreundliche Stallhaltung) mit erhöhten Sitzgelegenheiten und mehr Platz in den Ställen, Einstreu sowie Auslauf in einem Wintergarten auf. So stammt seit Februar 2016 unser gesamtes Truten-Frischfleisch der Coop-Eigenmarken (exkl. Prix Garantie) aus dem In- und Ausland aus BTS. Beim importierten Poulet-Frischfleisch stammt bereits alle Standardware (exkl. Prix Garantie) aus Betrieben welche nach Vorschriften entsprechend des Schweizer Tierschutzgesetzes produzieren. Weitere Produzenten stellen ihre Produktion um, damit im Verlauf von 2016 auch die gesamte Aktionsmenge abgedeckt werden kann. Seit Mai 2014 bieten wir zudem Pferdefleisch aus Spanien an, bei dessen Produktion hohe Anforderungen an das Tierwohl erfüllt wurden.

Futterstoffe und Medikamente

Über 90 Prozent der verfütterten Soja, die für unser Sortiment verwendet wird, stammen aus nachhaltiger Produktion. Alle tierischen Produkte bei Coop sind frei von Gentechnologie und künstlichen Zusatzstoffen. Dies lassen wir regelmässig durch molekularbiologische Tests beim Tierfutter sowie beim Endprodukt untersuchen. Der präventive Einsatz von Antibiotika ist ebenfalls verboten, und durch verschiedene Projekte versuchen wir, den medizinischen Einsatz von Antibiotika zu reduzieren.

Tiertransporte

Tiertransporte in der Schweiz werden von geschultem Fachpersonal durchgeführt. Identitäten der Tiere, Gesundheitsstatus, sowie Fahrzeit müssen auf einem Begleitdokument festgehalten werden. Neben den amtlichen Kontrollen werden in unseren Labelprogrammen Naturaplan und Naturafarm auch regelmässig und unangemeldet Transportkontrollen durch den Schweizer Tierschutz (STS) durchgeführt. Auch für die Transporte innerhalb unserer Import-Programmen mit höherem Tierwohlstandard gilt wie in der Schweiz eine Fahrzeitbeschränkung von sechs Stunden.

    • Keine Hektik: Die Tiere dürfen nicht gewaltsam getrieben werden.
    • Ladedichte: Genügend Platz pro Tier sowie separate Abteile für jeden Hof sind unabindgbar. Ein Beispiel: Schweinen von 90 bis 110 Kilogramm Gewicht müssen mindestens 0,43 Quadratmeter zur Verfügung stehen.
    • Laderampe und Seitenwände: Eine nicht zu steile Rampe sowie genügend hohe Seitenwände für einen verletzungsfreien Transport sind Pflicht.
    • Transport: Die Fahrzeit darf maximal sechs Stunden dauern.
    • Tiertransporter: Aus Hygienegründen darf der Transport ausschliesslich mit einem speziellen Lastwagen durchgeführt werden.

Schlachtung

Unser Schweizer Frischfleisch stammt überwiegend aus Schlachthöfen der Bell AG welche zusätzlich zu den staatlichen Kontrollen auch vom Schweizer Tierschutz (STS) auditiert oder begutachtet werden. Fleisch unter dem Label Naturafarm und Naturaplan stammt ausschliesslich aus solchen Schlachthöfen. In Schweizer Schlachthöfen muss ein amtlicher Tierarzt anwesend sein, welcher die Tiere bei der Annahme kontrolliert und die Schlachtung überwacht. Bei der Ankunft im Schlachthof werden die Identität der Tiere, der Gesundheitszustand der Tiere sowie die Belange des Tierschutzes kontrolliert. Das Import-Geflügel, welches in Programmen entsprechend den Anforderungen des Schweizer Tierschutzgesetzes produziert wird, stammt aus Schlachthöfen, welche neben den staatlichen Kontrollen auch regelmässig vom Schweizer Tierschutz (STS) begutachtet werden.
Sämtliches Fleisch bei uns stammt von Tieren, welche vor der Schlachtung betäubt wurden. Einzig bei Wildtieren wie Dammhirsch oder Bison, gilt wie auch in der Schweizer Tierschutzgesetzgebung eine Ausnahme. Wildtiere, welche nicht in einem Schlachthof sondern direkt auf der Weide erlegt werden, werden von ausgebildeten Personen, mit einem gezielten Schuss der zum sofortigen Tod führt, erlegt.

Ausbildung

Letztlich können wir eine artgerechte Nutztierhaltung nur sicherstellen, wenn unsere Mitarbeitenden im Verkauf und im Management über die Bedeutung des Tierwohls Bescheid wissen. Wir unterscheiden zwischen Grundwissen für alle Mitarbeitenden (zum Beispiel durch Schulungen im Rahmen von Einführungstagen) und Fach- und Spezialistenwissen. Im Zentrum unserer Ausbildung stehen die gesetzlichen Anforderungen und die Anforderungen der Tierhaltung von Naturafarm und Naturaplan. Erfahrungsberichte von Landwirten und Betriebsbesichtigungen gewähren ergänzend Einblicke in die Praxis und machen Unterschiede in den Haltungsbedingungen deutlich. Externe Partner wie zum Beispiel Mutterkuh Schweiz informieren an Veranstaltungen über aktuelle Tierwohlthemen.

Transport von Schweinen
Transport von Schweinen
Soja aus nachhaltiger Produktion
Soja aus nachhaltiger Produktion