Pilotprojekte zur Förderung des Tierwohls

Ausser über Naturaplan und Naturafarm engagieren wir uns durch verschiedene Pionierprojekte für das Wohl der Tiere. Hier einige aktuelle Beispiele.

Zweinutzungshuhn: Eier von der Henne, Fleisch vom Hahn

Jährlich werden in der Schweiz rund 2 Millionen männliche Küken aus der Legehennenzucht getötet, da sie sich weder für die Mast eignen noch Eier legen. Anfang 2014 haben wir aus diesem Grund auf einigen Bio-Höfen einen Praxisversuch gestartet, um zu testen, ob sich eine neue Hühnerrasse als sogenanntes Zweinutzungshuhn eignet. Dabei werden die weiblichen Hühner für die Eierproduktion und die männlichen für die Mast genutzt. Nach einer vielversprechenden Startphase mit 5’000 Tieren lancierten wir im September 2014 die zweite Runde.

Förderung der Jungebermast – Ohne Kastration

Aktuell unterstützen wir über den Coop Fonds für Nachhaltigkeit ein Forschungsprojekt zur Aufzucht und Fütterung von Ferkeln. Unser Ziel ist es, dass männliche Ferkel nicht mehr kastriert werden müssen und somit noch natürlicher aufwachsen. In der Regel werden Ferkel wenige Tage nach der Geburt kastriert, damit das Fleisch später keinen sogenannten Ebergeruch aufweist. Mit dem schweizweit einzigen Programm ermöglichen wir unter Naturafarm, dass der Ebergeruch durch eine tierfreundliche Impfung verhindert wird. Ebenfalls im Rahmen dieses Projekts werden auf Naturafarm-Pilotbetrieben junge Eber gänzlich ohne Kastration und Impfung aufgezogen. Dabei ist es uns bereits gelungen, den Anteil der Tiere mit Ebergeruch auf unter 5 Prozent zu senken. Unser Ziel ist es, zusammen mit Wissenschaft, Tierhandel und Verarbeitung Erfahrung zu sammeln, um die Ebermast als natürlichste Methode zu etablieren.

Edles Rindfleisch aus dem Baltikum

Statt die edlen Rindfleischstücke aus dem 12’000 Kilometer entfernten Lateinamerika einfliegen zu lassen, haben wir im Baltikum graslandbasierte Betriebe aufgebaut. So können wir auch den Ausstoss von CO2 reduzieren.
Seit Beginn richtet sich unser Projekt nach dem ressourcenschonendsten und tierfreundlichsten Standard – der Mutterkuhhaltung. Die Jungtiere haben Auslauf auf den ausgedehnten Weiden und trinken in der ersten Lebenshälfte viel Muttermilch. Damit das Fleisch qualitativ den höchsten Ansprüchen genügt, fressen sie danach vorwiegend das üppig vorhandene Gras und anderes Raufutter. Kraftfutter wird nur limitiert eingesetzt. Das Projekt lancierten wir 2012 zusammen mit den Bauernorganisationen vor Ort, und es dauert sicher bis 2019 an.

    Charolais-Rinder in Lettland
    Charolais-Rinder in Lettland
    Charolais-Rinder in Lettland
    Charolais-Rinder in Lettland
    Charolais-Rinder in Lettland
    Charolais-Rinder in Lettland
    Charolais-Rinder in Lettland
    Charolais-Rinder in Lettland

Tierwohl in der Fischzucht

Als Alternative zum Wildfang erlebt die Fischzucht in Aquakulturen derzeit einen Boom. Allerdings wissen wir noch wenig über die Anforderungen an eine tiergerechte Fischzucht. Bei wie vielen Fischen im Becken fühlt sich ein Schwarmfisch beispielsweise wohl? Wir haben daher beim Schweizer Tierschutz (STS) eine Studie in Auftrag gegeben. Darin wurden Aquakulturen für Speisefische aus Sicht des Tierschutzes beurteilt und mögliche Problemfelder, Chancen und Risiken aufgezeigt. Basierend auf den Ergebnissen überprüfen wir nun gemeinsam mit dem STS unser Sortiment und leiten bei Bedarf Massnahmen ein.

Weniger Antibiotika in der Kälberaufzucht

In der Schweiz verlässt ein Grossteil der Kälber im Alter von rund vier bis fünf Wochen den Geburtsbetrieb, um auf einem spezialisierten Kälbermastbetrieb grossgezogen zu werden. Dies ist auch bei vielen Naturafarm-Kälbern der Fall.
Der Gesundheitszustand der Kälber ist jedoch häufig beeinträchtigt, wenn sie auf den Mastbetrieb kommen. Zum einen ist die Betreuung auf dem Geburtsbetrieb nicht immer ganz optimal. Zum anderen kommen die Jungtiere beim Transport und auf Sammelplätzen mit Keimen aus anderen Ställen in Kontakt, gegen die sie nicht immun sind. Dies ist für das Wohl der Tiere nicht optimal und macht die Behandlungen mit Antibiotika nötig.
Vorversuche zeigten, dass die Gesundheit der Kälber durch eine gute Haltung auf dem Geburtsbetrieb klar verbessert werden kann. Dazu gehören beispielsweise eine schnelle Versorgung mit Muttermilch von guter Qualität, eine ausreichende Eisenversorgung sowie die Impfung gegen Atemwegserkrankungen. Auch der direkte Transport auf den Mastbetrieb reduziert die Krankheitsanfälligkeit der Jungtiere deutlich. Dank der getroffenen Massnahmen konnten die Tierärzte den Einsatz von Antibiotika halbieren.
Deshalb setzen wir alles daran, die Bedingungen auf den Geburtsbetrieben und beim Transport der Kälbchen weiter zu verbessern. In einem breit angelegten Projekt testen wir 2017 die Erkenntnisse aus den Vorversuchen in der Praxis. Mit unserem Projekt wollen wir den Antibiotikaeinsatz und das Risiko resistenter Keime reduzieren und dadurch das Wohl des Tieres verbessern. Weiterhin werden wir alles unternehmen, damit ein Tier gar nicht erst erkrankt – tritt dieser Fall dennoch ein, braucht es auch zukünftig wirksame Medikamente. Bei positivem Projektverlauf können wir die Massnahmen in die Naturafarm-Richtlinien integrieren.