Bioplastics

Die vermeintlich nachhaltigen Kunststoffe schneiden in Ökobilanzen nicht besser ab, als solche, die auf Erdölbasis hergestellt werden. Aus diesem Grund verwenden wir sie momentan nicht als Verpackungsmaterialien.

Was sind Bioplastics?

Als Bioplastics, oder Biopolymere, werden zwei Gruppen von Kunststoffen bezeichnet, welche

    • entweder auf der Basis von nachwachsenden Rohstoffen (Stärke, Öle, Zucker, Zellulose, usw.) oder
    • aus biologisch abbaubaren fossilen Rohstoffen erzeugt werden. 

Die Gruppe der Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen werden weiter unterteilt in

    • biologisch abbaubare Werkstoffe – so genannte BAW – und
    • Kunststoffe, welche chemisch identisch sind wie fossile Kunststoffe (z.B. PET auf Zuckerrohrbasis), und deshalb nicht biologisch abbaubar sind.

Sind Bioplastics Bio?

Bioplastics bedeutet nicht, dass die Rohstoffe oder Produkte aus biologischer Landwirtschaft stammen. Grundsätzlich erscheint es jedoch sinnvoll, nachwachsende Rohstoffe anstelle von Erdöl für die Herstellung von Kunststoffen zu verwenden. Aber die allermeisten Bioplastics kommen nicht ohne petrochemische Kunststoffe aus. Je nach gewünschten Materialeigenschaften werden sogar bis zu 40 Prozent konventionelle Kunststoffe eingesetzt. Obwohl das Endprodukt immer noch biologisch abbaubar sein kann, sieht die Gesamtökobilanz nicht gut aus.

Widersprüchliche Ökobilanz

Die Analyse der Ökobilanzen verschiedenster Produkte zeigt, dass Bioplastics-Verpackungen ökologisch bisher meist nicht besser abschneiden als Produkte aus petrochemisch hergestellten Kunststoffen. Allerdings ist es auch schwierig, die Ergebnisse zu vergleichen: Bioplastics schneiden beim Verbrauch fossiler Rohstoffe und beim Einfluss auf den Klimawandel besser ab, sammeln aber durch den intensiven landwirtschaftlichen Anbau Negativpunkte. Die landwirtschaftlichen Methoden zur Gewinnung der Rohstoffe für Bioplastics sind häufig nicht nachhaltig. Sie können sogar die Produktion von Nahrungsmitteln direkt oder indirekt durch Flächenverbrauch konkurrenzieren und basieren vor allem beim Mais auf gentechnisch verändertem Saatgut.

Massnahmen für nachhaltigere Bioplastics

An diesen negativen Aspekten der Herstellung wird zurzeit gearbeitet. Erst wenn in der Rohstoffgewinnung und -verarbeitung deutliche ökologische Fortschritte erzielt werden, kommen für uns Verpackungsmaterialien aus Bioplastics infrage. Erste Massnahmen für Verbesserungen werden bereits umgesetzt. So werden beispielsweise Abfälle aus der Agrarproduktion oder der Lebensmittelverarbeitung (Sekundärrohstoffe) sowie alternative Rohstoffe als Basis für Bioplastics eingesetzt.

Verwertung als weiterer kritischer Punkt

Die richtige Verwertung von Verpackungen aus Bioplastics ist neben der Herstellung ein wichtiges Thema. Sind sie biologisch abbaubar, werden sie nach entsprechender Norm zertifiziert und ausgezeichnet. In der Praxis dauert der Abbau in den Grüngutverwertungsanlagen jedoch wesentlich länger als unter Laborbedingungen. Die in der Kompostierung oder Vergärung der BAW entstehenden Abbauprodukte bringen dem Boden ausserdem kaum brauchbare Nährstoffe. Zudem sind Bioplastics für Laien kaum von konventionellen Plastikprodukten unterscheidbar. Es muss daher sichergestellt werden, dass Konsumenten und Recycling-Firmen die Produkte eindeutig unterscheiden und somit richtig verwerten können. Hierzu ist der Konsens des Runden Tisches BAW zur Kennzeichnung der biologischen Abbaubarkeit unbedingt einzuhalten. Andernfalls müssen auch biologisch abbaubare Verpackungen im Kehricht entsorgt werden und büssen ihre Vorzüge ein.

Aus Zuckerrohr gewonnene Polymere für die Herstellung von z.B. PET sind hingegen chemisch identisch mit aus Erdöl gewonnenen Kunststoffen und können wie diese rezykliert werden (z.B. PET-Getränkeflaschen auf Zuckerrohrbasis).

Coop Haltung zu «Bioplastics» und «biologisch abbaubaren Werkstoffen» (BAW)

EMPA Studie zu Bio-Plastiksäcken