Welchen Einfluss haben Nahrungsmittelunverträglichkeiten auf den Darm?

Jede Nahrungsmittelunverträglichkeit hat grundsätzlich einen Einfluss auf den Darm und dessen Bakterienbesiedlung und damit auch auf das Wohlbefinden der betroffenen Person. Weil der Speiseplan verändert werden muss. Dies ist nicht für alle gleich "einfach".
Nicht zu unterschätzen, ist aber das Wohlbefinden des Bauches. Werden ganze Lebensmittelgruppen aus dem Speiseplan gestrichen, hat dies immer auch einen Einfluss auf den Darm und dessen Bakterienbesiedelung. Jedoch muss man hier zwischen einer Lebensmittelintoleranz (Lactose, Gluten) oder einer Allergie unterscheiden.

Definition Darmflora

Die Darmflora oder auch das Mikrobiom ist eine Ansammlung von 100 Billionen Darmbakterien (1014). Dies ist mehr, als der Mensch Zellen hat. Alle zusammen wiegen ca. 2 kg. Die Darmflora ist ein Teil unserer Immunsystems. Sobald ein unerwünschter Eindringling im Magen-Darm-Trakt erkannt wird, wird dieses Immunsystem aktiviert, damit der Eindringlin deaktiviert werden kann. Eine gute Darmflora unterstützt somit nicht nur die Darmgesundheit, sondern das gesamte Wohlbefinden. (Niess et al., 2005).

Die Darmflora entwickelt sich im Verlauf des Lebens und ist in den ersten 3 Lebensjahren entscheidend. Bei der Geburt hat es fast keine Bakterien im Darm (Jain, Walker, 2015). Sobald die erste Muttermilch und später die Beikost in den Darm gelangt, siedeln sich langsam die Bakterien an.

Lactoseintoleranz

Werden bei einer Lactoseintoleranz die Milchprodukte durch lactosefreie Alternativprodukte ersetzt wie z.B. lactosefreie Milch etc., verändert sich die Darmflora nicht. Denn man weiss, dass der regelmässige Konsum von Milch und Milchprodukten die Bakterienvielfalt der Darmflora fördert. (Barth, 2013).Nimmt man trotzdem Lactose zu sich, gibt es als Unverträglichkeitsreaktion zwar unangenehme Bauchbeschwerden, aber diese legen sich nach einiger Zeit wieder.

Glutenintoleranz

Anders sieht es bei einer Glutenintoleranz (Zöliakie) aus. Wenn die Diagnose Zöliakie gestellt wird, steht in der Regel auch ganz schnell ein Besuch bei der Ernährungsberatung an. Als erstes wird dann zusammen besprochen, welche Lebensmittel neu einen Platz im eigenen Speiseplan bekommen bzw. auf welche verzichtet werden muss. Auf die Darmgesundheit hat dieser neue Speiseplan einen grossen Einfluss.
Durch das strikte Meiden des Glutens, kann sich der Darm wieder erholen. Mit der Zeit baut sich auch die Darmschleimhaut wieder auf. Kommt der Darm einer Zöliakiebetroffenen Person mit Gluten in Kontakt, entstehen unterschiedlichste Entzündungen im gesamten Dünndarm (Kostic et al., 2014). Die Darmstruktur verändert sich so, dass deutlich weniger Nährstoffe aufgenommen werden. Um sich trotz einer Zöliakie weiterhin ausgewogen zu ernähren muss neben der Glutenfreiheit auch ein Auge auf die Qualität der Lebensmittel geworfen werden.
Lebensmittel ohne Gluten sind oft aus nahrungsfaserarmen Mehlen hergestellt. Dies ist technologisch begründbar. Aber Nahrungsfasern sind unter anderem Futter für die Darmbakterien, und zwar nicht nur im Dickdarm, wsondern auch im Dünndarm. Daher ist es umso wichtiger Vollkorngetreide in eine Ernährung ohne Gluten zu integrieren als bei einer "normalen" Ernährung. Jedoch gibt es auch hier Tipps & Tricks. Bäckt man das Brot beispielsweise zuhause, ist die Anreicherung mit Kernen und/oder Samen eine gute Möglichkeit, den Nahrungsfasergehalt zu erhöhen. Gleichzeitig sind dadurch auch einfache und mehrfach ungesättigte Fettsäuren im Teig/Brot. Auch diese sind essentiell für eine gesunde Darmflora.

Was beeinflusst eine gesunde Darmflora?

Es gibt unzählige Faktoren, welche die Besiedelung des Darmes beeinflussen. Neben der Ernährung, sind auch Umweltfaktoren, Stress, Medikamente etc. relevant. (Bart, 2013)

Mit einer ausgewogenen Ernährung, kann man bereits viel Gutes für seine Darmflora tun
5 am Tag: 600g Gemüse und Früchte pro Tag
Regelmässig Hülsenfrüchte und Vollkorngetreide
Massvoller Umgang mit Fleisch & Fisch

Nicht nur für die Darmflora gut:
Frische Luft
Stressreduzierung

Klar ist, dass wir noch lange nicht alles über unseren Darm wissen. Es braucht weiterhin viel Forschung.

Fragen an die Ernährungsberatung
Das Interview führte Ilona Sánchez García von der Coop Fachstelle Ernährung mit Frau Anna-Barbara Sterchi, BSc Ernährungsberaterin SVDE, Leiterin Ernährungsberaterin am Inselspital Bern

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