Sekundäre Pflanzenstoffe

Der Regenbogen spielt die Hauptrolle

Sie schützen die Pflanzen, das Gemüse und Früchte vor Schädlingen, regulieren deren Wachstum, schenken ihnen die prächtigsten Farben und sind für das unverkennbare Aroma und den Geschmack verantwortlich - die sekundären Pflanzenstoffe.

Die riesengrosse Familie umfasst über 100'000 unterschiedliche Substanzen. Daraus lassen sich folgende Gruppen bilden:

Sekundärer Pflanzenstoff Wie nehmen wir es wahr? Wo enthalten?
Carotinoide Farbe: Gelb, Orangen oder Rot Betacarotin in Karotte, Aprikose, Kürbis
Phytosterole Sensorisch nicht wahrnehmbar fettreiche pflanzliche Lebensmittel wie Nüsse, Maiskeimlinge und Samen wie Sonnenblumenkerne, Sesam etc. und Vollkorngetreide
Saponine Bitterer Geschmack Hülsenfrüchte wie Kichererbsen oder Sojabohnen, Hafer, Lakritze, Spinat
Glucosinolate scharfer Geschmack Broccoli, Kohlrabi, Gartenkresse, Rettich, Radieschen oder Senf
Flavanoide Farbe: Gelb, Orangen, Rot oder Violette Äpfel, Aubergine, Birnen, Endivien, Grünkohl, Kirschen, Pflaumen, Rotkohl, Tomaten, Trauben oder Zwiebeln
Phenolsäuren Sensorisch nicht wahrnehmbar Grünkohl, Kaffee, Tee, Vollkorngetreide, Nüsse
Protease-Inhibitoren Sensorisch nicht wahrnehmbar Hülsenfrüchte wie weisse Bohne (Saubohne), Kartoffeln und Getreide
Monoterpene Duften, ätherische Öle Kümmel, Pfefferminze, Zitrusfrüchte wie Orangen, Mandarinen, Zitronen, Limonen oder Limetten
Phytoöstrogene Sensorisch nicht wahrnehmbar Soja, Soja- und Vollkornprodukten oder Leinsamen
Schwefelverbindungen riechen streng in Zwiebelgewächsen, beispielsweise das Alcin in Knoblauch oder Schnittlauch

Warum heissen sie sekundär?
Als sekundäre Stoffe, werden Substanzen zusammengefasst, welche dem Menschen keine Energie
(=Kalorien) liefern. Sekundäre Pflanzenstoffe haben in erster Linie eine schützende Wirkung auf die Pflanze,
aber sind auch gesundheitsfördernd für den Menschen.

Warum sind wir nach dem Verzehr von Früchte und Gemüse nicht Kunterbunt?
Dies können wir unserem Verdauungstrakt verdanken. Zum Glück. Dieser hat nicht die Fähigkeit, diese sekundären Pflanzenstoffe zu verdauen. Eine regenbogenfarbene Haut würde auch nur bekommen, wenn wir sehr viele Früchte und Gemüse essen würden.
Es gibt eine Ausnahme. Isst man über einen längeren Zeitraum sehr viele Karotten, kann sich die Haut etwas orange verfärben. Dies kommt vom enthaltenen Betacarotin, welches eine Vorstufe von Vitamin A ist. Diese Verbindungen sind stabil und werden vom Verdauungstrakt fast nicht gelöst.

Wie können sekundäre Pflanzenstoffe eine gesundheitsfördernde Wirkung haben, obwohl sie nicht verdaut werden?
Es sind Stoffe welche in die Blutbahn gelangen. Sie entfalten ihre Wirkung in der Blutbahn direkt, an den Blutbestandteilen (Blutkörperchen oder -plättchen) oder in den Zellen.
Auf Grund der aktuellen wissenschaftlichen Datenlage werden den sekundären Pflanzenstoffen verschiedene gesundheitsfördernde Wirkungen zugeschrieben. Sie schützen möglicherweise vor verschiedenen Krebsarten und können dazu beitragen die Blutgefässe zu erweitern und den Blutdruck zu senken. Weiterhin werden Ihnen neurologische, entzündungshemmende und antibakterielle Wirkungen zu gesprochen.

Gibt es eine empfohlene Zufuhrsmenge oder Richtwerte?
Teilweise. Beispielsweise für das Betacarotin, welches im Körper zu Vitamin A umgewandelt wird, werden 0.8-1 mg Retinol Äquivalent/Tag empfohlen. Bei allen anderen sekundären Pflanzenstoffen gibt es keine Empfehlungen. Es ist zu wenig bekannt, ab welchen Mengen genau die gesundheitsfördernden Effekte auftreten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt daher einen hohen Verzehr von Gemüse und Früchten einschliesslich Hülsenfrüchten und Nüssen sowie Vollkornprodukten, um eine gute Versorgung mit sekundären Pflanzenstoffen sicherzustellen.

Kann eine Tablette mit sekundären Pflanzenstoffen eingenommen werden und hilft dies gleich wie frisches Gemüse und Obst?
Nein, dies wird in der Literatur nicht empfohlen. Werden die sekundären Pflanzenstoffen in konzentrierter Menge eingenommen, ist noch nicht bekannt, ob sie ihre positive Wirkung gleich entfalten, wie wenn frisches Gemüse und Obst gegessen/getrunken wird. Ob dies unbedenklich ist, ist weiterhin unklar.

Wie kann die Aufnahme von sekundären Pflanzenstoffen verbessert werden?
Es ist bei wenigen sekundären Pflanzenstoffen bekannt, wie ihre Aufnahme verbessert werden kann.
Durch das Kochen wird beispielsweise das Lycopin aktiviert. Es ist beispielsweise mehr Lycopin in Tomatensauce enthalten als in frischen Tomaten. Das gleiche ist auch bei den Aprikosen bekannt. Das Betacarotin aus Rüebli oder Kürbissen kann besser vom Magen-Darm-Trakt aufgenommen werden, wenn zusätzlich hochwertiges Pflanzenöl, wie Raps- oder Olivenöl, zugegeben wird.

"5 am Tag" – tut einfach gut!

5 Portionen Früchte und Gemüse jeden Tag: Die schmecken nicht nur richtig gut, sondern enthalten auch viele sekundäre Pflanzenstoffe.

Literatur:
Brockhaus Ernährung (2011). Sekundäre Pflanzenstoffe, S318ff, S359
Bioaktive Substanzen in Lebensmitteln, Watzl & Leitzmann
DACH, 2012/2015, Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr
DGE 2014, Sekundäre Pflanzenstoffe und ihre Wirkung auf die Gesundheit – Eine Aktualisierung anhand des Ernährungsberichtes 2012. DGEinfo (12/2014) S178-186.
Elmadfa & Leitzmann, Ernährung des Menschen (2004).S431-434
Pflanzenforschung.de c/o genius gmbh – Wissenschaft & Kommunikation, Abgerufen am 10.1.2017 von http://www.pflanzenforschung.de/index.php?cID=8355


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