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Freiraum und Impulse

Kinder sind von Natur aus neugierig. Doch nicht immer haben sie die Möglichkeit, ihren Wissensdurst zu stillen. Eltern üben den grössten Einfluss auf die Lernbereitschaft der Kinder aus.

Lernen

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Emotionales Wohlfühlumfeld

Neugier und Wissensdurst sind den Kindern von Natur aus gegeben. Wie wissenschaftliche Studien bewiesen haben, üben die Eltern den grössten Einfluss auf die Lernbereitschaft ihrer Kinder aus. «Zuerst kommt die Emotion. Mit ihr wird der Boden geschaffen, damit ein Kind gerne lernt. Deshalb soll das Lernen in einem emotionalen Wohlfühlumfeld stattfinden», sagt Rose Marie Knickenberg. Doch nicht alle Menschen lernen gleich. «Jeder Mensch hat seinen individuellen Lernstil, je nachdem, welchem Lerntyp er angehört.» (siehe Kastentext). Deshalb sei es wichtig, das Kind nicht in ein Lernschema zu pressen. «Ich empfehle, verschiedene Sachen auszuprobieren, um so den besten Weg für das Kind zu finden.» Manche Eltern bewegen sich hier auf einer Gratwanderung: Wie weit sollen sie ihr Kind fördern und fordern? Für die Lernberaterin steht fest: «Es gibt Kinder, die brauchen viel, andere wenig Initiative von Seiten der Eltern. Man darf die Kinder weder über- noch unterfordern. Vielmehr sollen die Lernimpulse der Persönlichkeit des Kindes entsprechen.» Musik und Bewegung sind beliebte und wertvolle Mittel, um den Kindern neues Wissen zu vermitteln. So werden durch die Musik mehr Gehirnbereiche aktiviert als zum Beispiel durch Vorlesen. Und weil viele Kinder über einen starken Bewegungsdrang verfügen, sollte man diesen nicht unterdrücken. Dies kann laut Rose Marie Knickenberg die Entwicklung des Kindes beeinträchtigen.

Frühzeitig zur Selbstständigkeit führen

Weiter brauchen Kinder Vertrauen. Denn sie lieben es, zu experimentieren und selber etwas auszuprobieren. Die Eltern dürfen ihnen ruhig etwas zumuten, das dem Alter ihrer Schützlinge entspricht. «Wenn man dem Kind zuliebe alle Hindernisse aus dem Weg räumt, hilft man ihm kaum auf seinem Lernweg», weiss Brigitt Baumgartner, Lehrperson, aktiv in der Elternbildung sowie im Kantonalvorstand der Sektion von Schule und Elternhaus St. Gallen/Appenzell tätig. Besser sei es, die Kinder frühzeitig zur Selbstständigkeit zu führen und ihnen Problemlösungsstrategien aufzuzeigen. Lernen durch Erleben lautet die Devise. «Das bedeutet, das Lernen über verschiedene Kanäle wie Hören, Lesen, Sehen und Handeln zu ermöglichen. Eltern sollten dem <Lernen lernen> grosse Beachtung schenken,» sagt Brigitt Baumgartner. Das Kind ist dabei Experte. Und in diesem Sinne spricht man mit ihm: Wie gelingt es dir am besten? Welches Ziel hast du? Welchen Sinn kannst du erkennen?

Zeit und Raum für die individuelle Entwicklung

Die S&E-Delegierte plädiert für ein ressourcen- und lösungsorientiertes Handeln, das auf den Stärken des Kindes aufbaut. Leider sei das hiesige Schulsystem noch stark fehler- und defizitorientiert. «Die vielen Fragen der Notengebung sind in der Diskussion, politische Entscheidungen werfen gute Bewertungssysteme über den Haufen, Kompetenzunklarheiten zwischen Schulbehörden und Schulleitungen zeigen klare Mängel auf. Diese Unzulänglichkeiten der Erwachsenen gehen immer auf Kosten der Kinder,» kritisiert Brigitt Baumgartner. Will man jedoch die Neugier und den Wissensdurst der Kinder bewahren, muss man sie mit all ihren Fragen ernst nehmen. Dies braucht Zeit und Raum für ihre individuelle Entwicklung. Mit überfüllten Lehr- und Stoffplänen können diese Bedürfnisse nicht berücksichtigt werden. Brigitt Baumgartner fordert deshalb, die Kinder in die neue Lehrplandiskussion miteinzubeziehen. «Mit den Kindern reden und nicht über sie reden – das ist ein Grundsatz meiner pädagogischen Arbeit.»

Elternbildung und -mitwirkung

Auch die Eltern sollten partnerschaftlich in diese Zusammenarbeit eingebunden werden. Aus diesem Grund werden die Elternbildung und Elternmitwirkung in den nächsten Jahren sehr entscheidend sein, um den Druck auf Lehrkräfte nicht noch mehr zu vergrössern, denn das Spannungsfeld ist laut Brigitt Baumgartner schon jetzt so gross wie noch nie. «Durch die Individualisierung des Lernens ohne die entsprechenden Rahmenbedingungen herrscht ein sehr grosser Erwartungsdruck auf die Lehrkräfte und die Schule.» Dabei sollten doch die Lernfortschritte der Kinder im Zentrum stehen.

Die fünf Lerntypen

  1. Braucht Strukturen: Diese Menschen lernen sehr faktenorientiert und finden sich daher gut im hiesigen Schulsystem zurecht. Sie arbeiten sich vom Detail zum Ganzen vor, sie benötigen Struktur und genaue Angaben.
  2. Braucht keine Strukturen: Diese Menschen können wenig mit Strukturen anfangen. Viel lieber lernen sie mit «Mind Map» und gehen vom Ganzen ins Detail. Ihnen ist wichtig, den Überblick zu behalten. Zudem möchten sie selber etwas ausprobieren können
  3. Braucht Sicherheit: Diese Menschen wollen wissen, was man von ihnen erwartet. Sie benötigen genaue Vorgaben zu den Lerninhalten und wollen wissen, was man von ihnen erwartet.
  4. Braucht soziale Strukturen: Diese Menschen lernen am besten in Gesellschaft oder mit den richtigen sozialen Bezugspersonen.
  5. Braucht Experimente: Diese Menschen sind sehr experimentierfreudig und lieben Projekte. Sie wollen immer wieder Neues entdecken und selber kreative Lösungen suchen.
 

Literaturtipps:

  • «Schülerjahre – Wo Kinder lernen lernen», von Remo H. Largo, Martin Beglinger, Piper Verlag GmbH, ISBN: 3492052657, Fr. 36.90
  • «Kinder lernen Tiere aus Feld und Wiese kennen», von Heike Jung, Verlag an der Ruhr GmbH, ISBN: 3834603597, Fr. 35.90
  • «Bildungsarbeit mit Kindern: Lernen JA - Verschulung NEIN!», Verlag an der Ruhr GmbH, ISBN: 3834602116, Fr. 20.90
 
 

Diverse Lerntechnikkurse «Clever lernen»:

Erfolgreiches und effizientes Lernen, das Lernen planen, Hausaufgaben locker schaffen und Zeit für Freizeit haben, Konzentrationskiller erkennen und in den Griff bekommen, Lernen mit Lust. Weitere Informationen:
Schule und Elternhaus Cham-Ennetsee
Erich Eicher, Langackerstrasse 37, 6330 Cham, Tel. 041 780 15 37, erich.eicher@boord.ch

 
 

Weiterbildung zur Lernberaterin/ zum Lernberater IK:

Die Ausbildung befähigt zur Durchführung von Begabungsdiagnostik und Lerntests für Kinder und Jugendliche, zur Förderung und Motivation der Lernbereitschaft, und zu Leistungssteigerung mit mehr Lernerfolg.
Beginn Mai 2010, Info und Unterlagen: www.institutknickenberg.ch

 

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